19.03.2010
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pflegenote enttäuscht
Unangemeldete MDK-Prüfung
Am 27. August letzten Jahres um 8.00 Uhr erschien unangemeldet ein vierköpfiges Prüfteam aus Pflegefachkräften des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) an der Rezeption des Altenzentrums St. Clemens auf der Hedwigstraße in Sterkrade.
Pflegedirektorin Petra Stecker war urlaubsbedingt nicht anwesend, aber zuhause.
Pflegedienstleiterin Annegret Verhey weilte bei der Stadt Oberhausen auf deren Veranstaltung zur Pflegebedürftigkeitsüberprüfungspraxis des Sozialamtes. Deshalb begrüßte
Geschäftsführer Peter Tischmann das Prüfteam und ließ einen größeren Besprechungsraum herrichten. Durch Nachrichtenvermittlung wie im Lauffeuer übernahmen Annegret Verhey und Petra Stecker die Ansprechpartnerschaft für das Prüfteam des MDK.
Dann ging alles wie am Schnürchen
Dann ging alles wie am Schnürchen, denn die MDK-PrüferInnen wollten noch am selben Tag die Prüfung abschließen.
Eine Prüferin kümmerte sich um die Erhebung der Grundangaben für die Einrichtung. Es mussten vorgelegt werden Unterlagen und Konzepte zur Pflegedokumentation, Nachweise über Dienstbesprechungen, Nachweise interner und externer Fortbildungen, Angaben über die Anzahl der Bewohner mit Wachkoma, mit Diabetes mellitus, Nachweis der Art der Speise- und Getränkeversorgung und vieles vieles andere mehr.
Prüfbericht 131 Blatt
Zwei Monate nach der Prüfung, am 20.10.2009 ging über die Landesverbände der Pflegekassen der Prüfbericht des MDK ein. Er umfasste 131 Blatt. Zu dem 131 Blatt umfassenden Prüfbericht haben Geschäftsführung und Pflegedienstleitung erklärend, erläuternd, aber auch korrigierend Stellung bezogen.
Von Pflegenote sehr enttäuscht
Von der Ende Dezember 2009 im Internet veröffentlichten Gesamtnote 3,3 ?Befriedigend? sind Geschäftsführung, Pflegedienstleitung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Altenzentrums sehr enttäuscht. Der gefühlte Ruf des Altenzentrums und auch die Note der Befragung der Bewohner mit 1,1 ?Sehr gut? spiegele sich in der Note 3,3 ganz und gar nicht wieder.
?Die Noten stützen sich sehr stark darauf, was Papierkonzepte und Papierdokumentationen aussagen. Sind Maßnahmen zur Kontaktpflege zu den Angehörigen nicht irgendwie dokumentiert oder erforderliche Prophylaxen gegen Stürze nicht dokumentiert, gibt es sofort die Unternote 5,0?. Tischmann sagt es sarkastisch:
Wer viel schreibt, erhält eine gute Note.
Die Angehörigen hätten uns eine bessere Note gegeben als der MDK
Pflegedirektorin Petra Stecker: ?Wir schieben die Note gewiss nicht vollends auf Mängel im Papierkram. Wir sind in einigen Aspekten verbesserungsbedürftig, so z.B. im Umgang mit demenzkranken Bewohnerinnen und Bewohnern. Petra Stecker und Annegret Verhey sind frühzeitig und offen auf die Bewohnerinnen und Bewohner und auf deren Angehörige zugegangen und haben in einer Abendveranstaltung am 26.01.2010 den Prüfbericht, aber auch die bereits in Gang gesetzten Verbesserungspotentiale vorgestellt. Annegret Verhey und ich waren erleichtert. Die Angehörigen hätten uns eine bessere Note gegeben als der MDK, so Petra Stecker.
Rechtsstreite gegen Veröffentlichung der Pflegenoten
Geschäftsführer Peter Tischmann weiß von etlichen Eilverfahrensrechtsstreiten vor Sozialgerichten, wonach sich Pflegeeinrichtungen gegen die Veröffentlichung schlechter Noten zu schützen versuchen.
?In Oberhausen gibt es Einrichtungen mit deutlich besseren und deutlich schlechteren Noten. Einige Noten sind noch nicht veröffentlicht. Ob das damit zusammenhängt, dass sie noch nicht geprüft sind, oder weil sie sich in einem Rechtsstreit gegen eine Veröffentlichung wenden, ist unbekannt.?
Geschäftsführer Peter Tischmann weiß von etlichen Eilverfahrensrechtsstreiten vor Sozialgerichten, wonach sich Pflegeeinrichtungen gegen die Veröffentlichung schlechter Noten zu schützen versuchen.
?In Oberhausen gibt es Einrichtungen mit deutlich besseren und deutlich schlechteren Noten. Einige Noten sind noch nicht veröffentlicht. Ob das damit zusammenhängt, dass sie noch nicht geprüft sind, oder weil sie sich in einem Rechtsstreit gegen eine Veröffentlichung wenden, ist unbekannt.?
Kommentar der Pflegeeinrichtung Altenzentrum St. Clemens zur Notenveröffentlichung im Internet
Der gute Ruf unseres Altenzentrums drückt sich in der regen Nachfrage der pflegebedürftigen Menschen aus, sich unserem Hause anzuvertrauen. Unsere im Juli 2009 bei den Bewohnern und ihren Angehörigen durchgeführte Befragung bestätigte den guten Ruf unserer Einrichtung. Dieser gute Ruf wird in der Prüfung mit der Note 1,1 bestätigt. Dass wir nur eine Gesamtnote von 3,3 erreichen, hat nicht allein die Leitungsebene, sondern auch die mitmenschlich, fachlich versierten Mitarbeiter sehr betroffen gemacht. Zusammenfassend stellen wir fest: Es wurde kein Pflegemangel, kein falsches Medikament, keine freiheitsberaubende Fixierung, kein Flüssigkeitsmangel, keine Verletzung der Intimsphäre festgestellt. Die Diskrepanz zwischen der Bewohner- und der Gesamtbeurteilung rührt im Wesentlichen daher, dass es an der geforderten ?Papierdokumentation? mangelte. Gleichwohl setzen wir uns mit den Prüfungsergebnissen kritisch auseinander: Den Pflegeprozess werden wir ab sofort besser in den Unterlagen notieren.